Menorca / Balearische Inseln. Der Milchsektor der Balearen hat im Jahr 2025 einen geschätzten kommerziellen Gesamtwert von mehr als 25,7 Millionen Euro erreicht. Diese Zahl wurde am Dienstag bei einer Sitzung der Mesa del Sector Lácteo auf Menorca vorgestellt, die von der Conselleria de Agricultura, Pesca y Medio Natural der Balearenregierung (Govern de les Illes Balears) einberufen wurde. Vertreter der Verwaltung und des Sektors analysierten dort aktuelle Daten zu Produktion, Preisen und Vermarktung von Kuhmilch auf den Inseln.
Nach Angaben des Generaldirektors für Landwirtschaft, Viehzucht und ländliche Entwicklung, Fernando Fernández, basiert die Analyse auf Daten des Systems INFOLAC sowie auf technischen Berichten zur Entwicklung des Sektors. Demnach lag der Bruttoproduktionswert der an erste Käufer gelieferten Milch im Jahr 2025 bei 15.871.349,58 Euro. Wird jedoch die direkte Vermarktung – insbesondere auf Menorca – sowie die Verarbeitung der Milch für den Direktverkauf berücksichtigt, steigt der geschätzte Gesamtwert der unverarbeiteten Milchproduktion auf mindestens 25.735.012,11 Euro.
Fernández betonte, dass diese Zahlen die wirtschaftliche Bedeutung des Milchsektors für den ländlichen Raum der Balearen verdeutlichen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sich die Situation zwischen den Inseln deutlich unterscheidet und deshalb eine detaillierte Analyse sowie ein kontinuierlicher Dialog mit den Produzenten erforderlich seien.
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Milchproduktion sinkt leicht
Die Gesamtproduktion von Kuhmilch auf den Balearen lag im Jahr 2025 bei 54.989.342 Litern. Das entspricht einem Rückgang von 3,7 % gegenüber 2024, was etwa 2,1 Millionen Litern weniger entspricht. Laut der Präsentation bei der Sitzung entspricht diese Entwicklung der allgemeinen Tendenz im Milchsektor auf nationaler und europäischer Ebene.
Die Entwicklung fällt jedoch je nach Insel unterschiedlich aus.
Auf Mallorca ging die Produktion deutlich zurück: Sie sank um 20,5 %, von rund 9,5 Millionen Litern im Jahr 2024 auf 7.579.329 Liter im Jahr 2025.
Auf Menorca hingegen blieb die Produktion nahezu stabil. Dort wurden 47.222.781 Liter Milch erzeugt, nur 0,3 % weniger als im Vorjahr. Damit bestätigt die Insel ihre Rolle als wichtigstes Produktionsgebiet des Archipels.
124 Milchbetriebe auf den Balearen
Im Jahr 2025 meldeten insgesamt 124 professionelle Milchbetriebe auf den Balearen Lieferungen oder Direktverkäufe von Milch. Das sind drei Betriebe weniger als im Jahr 2024.
Die Verteilung zeigt eine starke Konzentration auf Menorca:
- 109 Betriebe auf Menorca
- 13 Betriebe auf Mallorca
- 2 Betriebe auf Ibiza
Der Tierbestand mit Anspruch auf gekoppelte Beihilfen stieg leicht auf 7.846 Kühe über 24 Monate, was 42 Tiere mehr als im Vorjahr entspricht.
Nach Angaben von Fernández zeigt sich auf Menorca eine relativ stabile Produktionsstruktur. Viele Betriebe setzen dort verstärkt auf Verarbeitung und Direktvermarktung, um ihre wirtschaftliche Basis zu stärken.
Milchpreise unter nationalem Durchschnitt
Ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Situation der Betriebe bleibt der Milchpreis.
Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Auszahlungspreis an die Erzeuger auf den Balearen bei 0,468 Euro pro Liter. Damit bleibt er unter dem spanischen Durchschnitt von 0,511 Euro pro Liter.
Auch hier bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Inseln:
- Menorca: durchschnittlich 0,456 €/Liter
- Mallorca: durchschnittlich 0,517 €/Liter
Nach Angaben der Verwaltung hängt der niedrigere Preis auf den Balearen mit der Struktur der Wertschöpfungskette zusammen. Die begrenzte Zahl an Erstkäufern von Rohmilch reduziert die Verhandlungsmöglichkeiten der Landwirte.
Zudem verwies Fernández auf Entwicklungen auf europäischer Ebene: Im Januar lag der durchschnittliche Milchpreis in Europa bei 0,421 €/Liter, rund 17 % weniger als ein Jahr zuvor. Diese Entwicklung könne sich schnell auf die Märkte innerhalb der Europäischen Union auswirken.
Direktverkauf gewinnt an Bedeutung
Auf Menorca spielt der Direktverkauf von Milch und Milchprodukten eine wachsende Rolle.
Im Jahr 2025 wurden 20.256.149 Liter Milch direkt vermarktet, was einen leichteren Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Damit entfallen 42,9 % der gesamten Milchproduktion auf diesen Vertriebsweg.
Insgesamt 56 Landwirte verkaufen ihre Produkte direkt, drei mehr als im Jahr 2024.
Parallel bleibt die Käseproduktion mit der geschützten Ursprungsbezeichnung (DOP) Mahón-Menorca ein zentraler Bestandteil des Sektors. Für das Jahr 2024 wurde eine Produktion von 3.523 Tonnen Käse mit einem geschätzten Vermarktungswert von 24,7 Millionen Euro registriert. Die endgültigen Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
Situation auf Mallorca nach Unternehmensschließung
Während der Sitzung wurde auch die Lage auf Mallorca erörtert. Dort hat die Schließung des Unternehmens Agama den Milchsektor auf der Insel in eine komplexe Situation gebracht.
Die Conselleria de Agricultura kündigte an, eine spezifische Branchensitzung für Mallorca einzuberufen. Ziel sei es, gemeinsam mit den Landwirten mögliche Unterstützungsmaßnahmen zu analysieren.
Fernández erklärte, dass die Situation auf Mallorca derzeit deutlich von der auf Menorca abweiche. Deshalb wolle die Verwaltung die Herausforderungen auf der Insel gemeinsam mit dem Sektor gesondert prüfen.
Zahlungen aus dem Förderprogramm PROVILAC
Die Balearenregierung informierte zudem über den Stand der Zahlungen aus dem Förderprogramm PROVILAC IV (Plan de Apoyo para la Viabilidad, Modernización, Promoción y Comercialización del Sector Lácteo).
Für diese Förderlinie wurden 122 Anträge eingereicht:
- 110 Anträge aus Menorca
- 12 Anträge aus Mallorca
Insgesamt wurden 105 Anträge bewilligt, mit einem Gesamtvolumen von 1.346.464,25 Euro.
Bislang wurden 87 Förderfälle ausgezahlt, mit einem Gesamtbetrag von 1.159.193,29 Euro. Weitere 16 Fälle im Umfang von 187.270,96 Euro sollen im Laufe dieser Woche überwiesen werden. Zwölf Anträge befinden sich weiterhin im Verwaltungsverfahren.
Die Conselleria kündigte außerdem an, gemeinsam mit dem Sektor mit der Ausarbeitung des Programms PROVILAC V zu beginnen. Ziel sei ein Instrument, das die Modernisierung, Digitalisierung und langfristige wirtschaftliche Stabilität der Milchbetriebe auf den Balearen unterstützt.
